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Jüdisches Leben in Leipzig

Juden in Leipzig gab es jedoch schon seit dem Mittelalter, und die Leipziger Messe hätte das 17. und 18. Jahrhundert ohne die jüdischen Kaufleute aus Osteuropa wohl kaum überlebt. Ohne sie wäre Leipzig nicht „das“ Zentrum des europäischen Rauchwarenhandels geworden. Die legendären Pelzauktionen am Brühl hätten niemals stattgefunden. Doch auch in Kunst und Kultur gab es zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, die sich in den Mitgliederlisten der 1847 gegründeten Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig wiederfanden – ebenso über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Wissenschaftler, Juristen, Ärzte, Kommunalpolitiker, Journalisten und Sportler. Viele bekannte Verlage der Buchstadt Leipzig waren jüdische Unternehmen, ebenso große Warenhäuser.

Wohltätigkeitsarbeit und Mäzenatentum waren dem europäischen Judentum eine Verpflichtung, von der auch Leipzig stark profitierte. Manch eine museale Sammlung, Kulturinstitution oder Bibliothek der Stadt verdankt ihre Existenz einer jüdischen Stiftung.

In der 1920er Jahren gab es in Leipzig weit über einhundert jüdische Stiftungen und Vereine. 17 Synagogen, liberale wie orthodoxe, zeugten zudem von der Vielfalt jüdischen Lebens in der Stadt. Über 80 Prozent der Gemeindemitgliedschaft war osteuropäischer Herkunft. Juden lebten hier weitgehend assimiliert: als Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn – als Leipziger, bis sie all das beinahe über Nacht nach 1933 nicht mehr sein durften.

Nur 24 Leipziger Juden haben den Holocaust in der Stadt  überlebt – knapp 200 kehrten aus Konzentrationslagern hierher zurück.

Die Israelitische Religionsgemeinde zählte im Januar 1991 gerade noch 34 ältere Mitglieder, als das wiedervereinigte Deutschland die Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion juristisch regelte. Seitdem gelangten russischsprachige Juden in größerer Zahl auch nach Leipzig. Eine rasch wachsende Zahl an Zuwanderern traf auf sehr wenige Leipziger, die in den letzten Jahren der DDR in fast familiärer Verbundenheit das gemeinsame Ziel verfolgt hatten, jüdische Religion und Tradition in ihrer Heimatstadt nicht vollständig verblassen zu lassen.

Jüdisches Leben in Leipzig erfuhr einen Neubeginn.

Nachdem zunächst die Integration der zahlreichen neuen Mitglieder die neue Herausforderung für die traditionsreiche Leipziger Gemeinde war – steht aktuell vor allem die jüdische Bildung für Kinder und Jugendliche im Zentrum der Aufmerksamkeit,.

Mit 1.272 Mitgliedern ist die Leipziger Gemeinde heute wieder die größte unter den drei sächsischen.

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